Wasserverbrauch plötzlich höher? So gehst Du der Ursache nach
Zweimal 18 Kubikmeter und trotzdem 50 Prozent mehr Wasser pro Tag. Oliver zeigt an einer fiktiven Mietwohnung, wie Du Ablesungen vergleichbar machst, einen möglichen Dauerverbrauch eingrenzt und nach einer Reparatur prüfst, ob er verschwunden ist.
Im Monatscheck trage ich eine Nachzahlung oder Reparaturrechnung in dem Monat ein, in dem ich sie bezahle. Mit dem kostenlosen Rechner kannst Du prüfen, was nach Mieteingang und laufenden Zahlungen übrig bleibt. https://mieteundvermoegen.de/mieteingang-kontrollieren-monatscheck/
- Zeiträume vergleichbar machen. 18.000 Liter in 90 Tagen ergeben 200 Liter pro Tag. In 60 Tagen sind es 300 Liter pro Tag.
- Abweichung beziffern. Im zweiten Zeitraum liegen 6 m³ über der Vergleichslinie. Bei angenommenen 6 €/m³ für die mengenabhängigen Wasser- und Abwasserkosten sind das 36 €.
- Ruhiges Messfenster prüfen. 36 Liter in sechs Stunden entsprechen 6 Litern pro Stunde. Bei gleichbleibendem Fluss wären das 4,32 m³ in 30 Tagen beziehungsweise 25,92 € bei demselben angenommenen Preis.
- Nach der Reparatur nachmessen. Im Beispiel bleiben die Stände im ruhigen Fenster gleich. Über sieben Tage ergeben 1.470 Liter einen Durchschnitt von 210 Litern pro Tag.
Für Deine nächste Ablesung genügen Zählernummer, Messstelle, Datum, Stand, Einheit und eine kurze Notiz zu Besonderheiten. Verwende für einen Kostenvergleich die mengenabhängigen Preise Deiner eigenen Abrechnung.
Kapitel
- 00:00 Der Fall: zweimal 18 Kubikmeter
- 00:38 Ablesezeiträume und Mehrkosten
- 02:22 Zähler, Messstellen und plausible Ursachen
- 03:54 Das ruhige Messfenster
- 06:23 Nach der Reparatur nachmessen
- 07:37 Vorlage für Deine nächste Ablesung
Quellen
- Digitale Zählerstände, Nachkommastellen und Hinweise auf Wasserverluste. Hamburg Wasser
- Wasserverbrauch und eine Vergleichsmessung in einer Ruhephase. Stadt Ebersberg
Gesprochen mit einer synthetischen Bibliotheksstimme. Alle Beträge und Messwerte im Fallbeispiel sind fiktiv.
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Zweimal achtzehn Kubikmeter. Genau dieselbe Zahl. Trotzdem ist der Wasserverbrauch in meiner Beispielwohnung um die Hälfte gestiegen. Den Unterschied siehst Du erst, wenn Du die beiden Zeiträume nebeneinanderlegst. Und am Ende steht eine zweite Überraschung. Der erste Hinweis auf die Ursache kommt in einer Nacht, in der eigentlich niemand Wasser gebraucht hat.
Willkommen bei Miete und Vermögen. Ich bin Oliver. Heute gehen wir einen fiktiven Fall durch, wie er auf Deinem Schreibtisch landen könnte. Du bekommst eine Rechnung, die Du auf Deine eigenen Ablesungen übertragen kannst, und einen Plan für die Frage, die danach kommt. Liegt der Sprung in der Abrechnung, im Alltag oder irgendwo hinter der Wand?
Wir starten mit drei Fotos vom selben Kaltwasserzähler einer Wohnung. Auf jedem Foto stehen die Zählernummer und der Stand in Kubikmetern. Das erste Foto ist vom zweiten Januar. Das zweite vom zweiten April. Das dritte vom ersten Juni. Zwischen Januar und April hat der Zähler achtzehn Kubikmeter weitergezählt. Zwischen April und Juni ebenfalls achtzehn. Wenn ich nur diese beiden Mengen ins Tabellenblatt schreibe, sieht alles ruhig aus.
Aber der erste Abschnitt umfasst neunzig Tage. Achtzehntausend Liter geteilt durch neunzig ergeben zweihundert Liter am Tag. Der zweite Abschnitt umfasst sechzig Tage. Dieselben achtzehntausend Liter geteilt durch sechzig ergeben dreihundert Liter am Tag. Hundert Liter mehr pro Tag, also fünfzig Prozent über dem ersten Abschnitt. Zwei gleiche Mengen können eine sehr unterschiedliche Geschichte erzählen. Deshalb trage ich bei jeder Ablesung das genaue Datum ein. Auf dem Foto möchte ich außerdem die Einheit sehen. Ein Kubikmeter sind tausend Liter. Gerade bei einer kurzen Messung macht eine Nachkommastelle schnell den Unterschied zwischen einer kleinen Bewegung und einem dramatischen Rechenfehler.
Wie viel Geld steckt in unserem Sprung? Wenn sich der erste Tageswert fortgesetzt hätte, wären in den sechzig Tagen zwölf Kubikmeter angefallen. Tatsächlich sind es achtzehn. Sechs Kubikmeter liegen also über dieser Vergleichslinie. Setze ich rein für das Beispiel sechs Euro je Kubikmeter für die mengenabhängigen Kosten von Wasser und Abwasser an, sind das sechs mal sechs, also sechsunddreißig Euro. Für Deine Wohnung setzt Du die tatsächlich passenden Preise ein. Feste Gebühren lasse ich in dieser Differenzrechnung außen vor. Und die sechs Kubikmeter sind eine Abweichung vom Vergleichszeitraum. Wodurch sie entstanden sind, klären wir jetzt.
Ich prüfe zuerst, ob die Zahlen überhaupt zusammengehören. Stimmen auf allen Fotos die Zählernummer und die Wohnung? Messe ich jeweils Kaltwasser an derselben Stelle? Steht auf einem Beleg vielleicht eine Schätzung, auf einem anderen ein abgelesener Wert? Bei einem Zählerwechsel suche ich den Endstand des alten und den Startstand des neuen Geräts. Dann rechne ich beide Teilstrecken einzeln und addiere sie. Der neue Zähler kann bei einem anderen Stand beginnen. Eine Subtraktion über den Wechsel hinweg würde mir in diesem Fall eine erfundene Veränderung liefern.
Ein zweiter Klassiker ist die falsche Ebene. Stell Dir vor, Du hast den Hauszähler aus dem Keller mit dem Wohnungszähler aus dem Bad verglichen. Der eine erfasst das Haus, der andere einen bestimmten Strang oder eine Wohnung. Ein Wasserhahn im Hof kann je nach Installation am Hauszähler auftauchen, während der Wohnungszähler davon nichts sieht. Deshalb schreibe ich neben die Nummer, was dieser Zähler tatsächlich erfasst. Wenn ich das erst herausfinden muss, ist genau das der nächste Arbeitsschritt.
In unserem Fall passen die Fotos, es gab keinen Wechsel, und die Stände sind tatsächlich abgelesen. Jetzt rufe ich die Mietpartei an. Ich würde sagen: Mir ist beim Vergleich der Ablesungen ein höherer Tagesverbrauch aufgefallen. Hat sich in der Zeit etwas verändert, oder ist irgendwo ein leises Nachlaufen aufgefallen? Damit bekommt die andere Person eine konkrete Beobachtung und eine Frage. Vielleicht war länger Besuch da. Vielleicht wurde in der Wohnung gearbeitet. Und vielleicht fällt erst in diesem Moment auf, dass die Toilette auch lange nach dem Spülen noch zu hören ist.
Die Mietpartei erinnert sich in unserem Beispiel an nichts Größeres. Jetzt hilft ein ruhiges Zeitfenster. Wir vereinbaren, den gut zugänglichen Zähler um elf Uhr abends und um fünf Uhr morgens zu fotografieren. In diesem Zeitraum soll dort bewusst kein Wasser genutzt werden. Geräte mit Wasserbezug bleiben aus. Bei einem Hauszähler wäre so ein Fenster viel schwerer zu beurteilen. Dort reicht schon ein weiterer Haushalt, und die Bewegung lässt sich keiner Wohnung zuordnen. Bei unserem eindeutig zugeordneten Zähler sind die Beobachtungen enger eingrenzbar. Wenn bereits Wasser sichtbar austritt, Wände feucht werden oder der Zähler auffällig schnell weiterläuft, würde ich die Ursache zügig fachlich klären lassen. Unser ruhiges Zeitfenster passt zum langsamen, bisher unklaren Fall.
Jetzt kommen die beiden Nachtfotos. Der Stand hat sich in sechs Stunden um sechsunddreißig Liter verändert. Rechne kurz mit. Sechsunddreißig durch sechs sind sechs Liter pro Stunde. Wenn dieser Fluss einen ganzen Tag unverändert bliebe, ergäbe das hundertvierundvierzig Liter. Dreißig solcher Tage würden vier Komma drei zwei Kubikmeter ergeben. Bei unseren angenommenen sechs Euro wären das fünfundzwanzig Euro und zweiundneunzig Cent im Monat. Ich schreibe ausdrücklich Wenn daneben. Die Nacht zeigt einen beobachteten Fluss in sechs Stunden. Wie oft und wie lange er sonst auftritt, wissen wir noch nicht.
Vielleicht fragst Du Dich jetzt, warum der Mehrverbrauch im langen Vergleich bei hundert Litern am Tag lag, die Hochrechnung aus der Nacht aber bei hundertvierundvierzig. Genau hier lohnt sich das saubere Trennen. Der Durchschnitt über sechzig Tage enthält Tage mit viel und wenig Nutzung. Die Nacht ist ein einzelner Ausschnitt. Ein Spülkasten kann in einem Zeitraum nachlaufen und später wieder dicht schließen. Genauso könnte der Fehler erst in der zweiten Hälfte des Zeitraums begonnen haben. Die beiden Zahlen müssen deshalb nicht deckungsgleich sein. Zusammen machen sie eine konkrete Prüfung sinnvoll.
Was gebe ich dem Fachbetrieb mit? Die Zählernummer, die beiden Uhrzeiten, die gemessene Differenz und das, was in der Wohnung aufgefallen ist. In unserem Fall hört die Mietpartei jetzt tatsächlich ein leises Nachfüllen am Spülkasten. Das grenzt die Suche ein. Der Fachbetrieb kann dann prüfen, ob der Spülkasten nachläuft und ob der Verbrauch nach der Reparatur aufhört. Wenn es an der Stelle keinen Befund gibt, geht die Suche anhand der Zählerzuordnung und der beobachteten Zeiten weiter. Mit diesen Angaben kann der Betrieb viel mehr anfangen als mit der Nachricht, dass die letzte Abrechnung teuer aussieht.
Die Geschichte hat noch einen Kontrollschritt. In unserem Beispiel ist der Spülkasten repariert. Wir wiederholen ein vergleichbares ruhiges Fenster. Der Zähler zeigt diesmal innerhalb seiner Ablesegenauigkeit keine Bewegung. Das ist das erste gute Signal. Dann notiere ich für sieben Tage Start und Ende. In dieser Woche fallen eintausendvierhundertsiebzig Liter an. Geteilt durch sieben sind das zweihundertzehn Liter pro Tag. Das liegt wieder nahe an den zweihundert Litern unseres ersten Abschnitts. Eine Woche ist ein kurzer Ausschnitt. Ich markiere den nächsten ohnehin anstehenden Ablesetermin, damit ich sehe, ob die Veränderung anhält. So bekommt die Reparatur einen nachvollziehbaren Abschluss.
Und wenn Du beim ruhigen Fenster gleich am Anfang keine Bewegung siehst? Dann würde ich die Rechnung und die Ablesezeiträume wieder nach vorn holen. Vielleicht erklärt sich der Anstieg durch mehr Nutzung an bestimmten Tagen. Vielleicht tritt das Problem nur gelegentlich auf. Ein zweites Fenster zu einer anderen Zeit kann dann sinnvoller sein als mehrere Nächte hintereinander um dieselbe Uhrzeit. Und bei einem auffälligen Wert mit einer Schätzung würde ich zuerst den aktuellen Stand und den nächsten belastbaren Abrechnungswert klären. Wähle den nächsten Schritt passend zu dem, was Du bereits weißt.
Zum Schluss eine Vorlage, die Du Dir gleich notieren kannst. Zählernummer und Messstelle. Datum und Stand am Anfang. Datum und Stand am Ende. Differenz in Litern oder Kubikmetern. Anzahl der Tage. Und dann eine kurze Bemerkung, wenn sich etwas geändert hat. Zählerwechsel, längerer Besuch, Reparatur oder ein ruhiges Messfenster. Das sind wenige Angaben. Beim nächsten Sprung kannst Du damit eine Frage beantworten, bevor Du jemanden anrufst. Ist die Menge pro Tag wirklich gestiegen?
Wenn Du heute nur einen Schritt mitnimmst, such Dir zwei Ablesungen desselben Zählers und rechne sie auf Liter pro Tag um. Wenn eine Abweichung übrig bleibt, wähle die Beobachtung, die am meisten klärt. In unserem Fall waren das zwei Fotos in einer ruhigen Nacht und zwei weitere nach der Reparatur. Die Anleitung zum Ablesen und den Rechenweg packe ich Dir in die Shownotes. Bis zur nächsten Folge von Miete und Vermögen.